PROGRAMM somebody@maschinenhaus 26
Freitag, 24. April, 10:30 Uhr & 19:30 Uhr
MIND THE GAP / Company Flying Elephant

MIND THE GAP der Company Flying Elephant ist ein intensives Stück über die fragile Grenze zwischen privater Intimität und öffentlicher Wahrnehmung queerer Beziehungen. Durch dynamische Choreographie und körperlichen Interaktion hinterfragen zwei Performer gesellschaftliche Erwartungen und die Freiheit, so zu leben und zu lieben, wie sie möchten. Humorvoll und gleichzeitig berührend.
Die Performance taucht in die komplexe Realität queerer Beziehungen ein und zeigt die Kluft zwischen dem Privaten und Öffentlichen. Zwei Performer verhandeln das Spannungsfeld ihrer Beziehung, die Lücke zwischen Selbstwahrnehmung und öffentlicher Beurteilung.
MIND THE GAP lädt das Publikum durch mitreißende Choreographie & körperliche Nähe ein, die emotionale und physische Dynamik einer Partnerschaft hautnah mitzuerleben. Das Duo öffnet einen Raum für Reflexion über Gleichberechtigung, Intimität und die Herausforderungen, die jede Beziehung an sich prägen. Entwickelt wurde das Stück auf Basis von Interviews mit Angehörigen der queeren Community. Die Performance widmet sich stellvertretend der Aushandlung dieser kollektiven Erfahrungen. Über die queere Perspektive hinaus hinterfragt MIND THE GAP grundsätzlich Formen der persönlichen Unfreiheit. Es geht darum, zu reflektieren, wo wir uns selbst und andere in Normen und Erwartungen einengen – unabhängig von Geschlecht oder Orientierung.
Die Tänzer und Choreographen Florian Entenfellner und Lucas Lopes Pereira arbeiten in der Company Flying Elephant zusammen und haben das Stück MIND THE GAP 2025 gemeinsam entwickelt. Beide performen international mit namhaften Tanz- und Physical Theatre Produktionen und vereinen hohe artistische Qualität mit einem niederschwellig menschlichen Zugang – mit dem Ziel, Menschen einen Impuls in der Reflexion über ihr eigenes Leben zu geben – spielerisch, humorvoll und berührend. (Nähere Infos: https://flyingelephant-company.com/about-us/)
Tanz & Choreographie | Florian Entenfellner & Lucas Lopes Pereira,
Musik | Marco Girardin & Despoina Gkotsopoulou,
Dramaturgie | Daphni Patsourakou,
Projektassistenz | Paula Luna Steinmaurer
Bildnachweis | www.marc_jacobs.eu
Dauer: 60min
Alter | ab 13
Förderung | Stadt Essen Kulturamt, Stadt Salzburg, Stadt Wels, Land OÖ, BMWKKS Bundesministerium Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (Tourneeförderung Österreich), Stadt Graz
Samstag, 25. April, ab 19:30 Uhr
Frederico Mendes Teixeira, Cheng-Yang Peng
Grid : drift / Frederico Mendes Teixeira

„Du kennst die Regeln nicht, aber du verstehst das Spiel“ – so beginnt Grid: Drift, in dem drei Tänzer:innen die Bühne in ein dynamisches Feld aus Linien, Spiralen und Mustern verwandeln, während sich die Choreografie zwischen Ordnung und Zufall bewegt. Bewegungen verbinden, wiederholen und verändern sich zu flüchtigen Kompositionen, Strukturen entstehen und zerfallen – bis das Spiel endet und die Frage bleibt, ob es ohne klare Regeln überhaupt eine:n Gewinner:in geben konnte.
"Du kennst die Regeln nicht, aber du verstehst das Spiel." Dies ist der Ausgangspunkt von Grid : drift. Drei Tänzerinnen und Tänzer verwandeln die Bühne in ein sich verschiebendes Feld aus Linien, Kreuzungen, Spiralen und Gittern, die bunte Muster auf dem Boden bilden. Indem sie die Logik visueller Systeme und sich wiederholender Muster aufgreifen, bewegt sich die Choreografie zwischen Ordnung und Zufall, Klarheit und Verwirrung. Bewegungsphrasen kombinieren, wiederholen und ordnen sich zu temporären Kompositionen im Raum neu an - manchmal präzise, manchmal verdächtig chaotisch. Die Tänzerinnen und Tänzer spielen allein, gemeinsam und gelegentlich auch gegeneinander und folgen dabei Regeln, die nie vollständig erklärt wurden, aber dennoch irgendwie einen Sinn ergeben. Strukturen entstehen, lösen sich auf und organisieren sich neu, während Systeme mit dem Chaos flirten und Strategien auf der Stelle erfunden werden. Irgendwann ist das Spiel zu Ende. Aber wenn niemand die Regeln wirklich kannte... gab es dann jemals einen Gewinner?
Frederico Mendes Teixeira ist Tänzer, Tanzlehrer und Tanzkomponist aus Brasilien und lebt in Essen. Er studierte in den Masterstudiengängen Tanzkomposition und Tanzpädagogik an der Folkwang Universität, wo er derzeit Kinetographie Laban im BA Tanz unterrichtet. Er leitet das laufende Forschungsprojekt Syncopated Conversations, das die Interdisziplinarität im Tanz erforscht, und arbeitet mit verschiedenen Künstlern, Kompanien und Kollektiven zusammen.
Tanz | Helena Bröker, Paul Vincent Heinrich, Nicolò Ritrovato
Choreographie | Frederico Mendes Teixeira
Projektassistenz | Valentina Restrepo Giraldo
Bildnachweis | 1 Ursula Kaufmann / 2 Ralf Deinl
Dauer | 30 Minuten
Lagom / Cheng-Yang Peng
In Lagom entfaltet sich ein einfacher Morgen, in dem zwei Menschen nach und nach Versionen ihrer selbst darstellen und darum ringen, sich jenseits der einstudierten Rollen zu begegnen. Das Duett hinterfragt das erschöpfende Streben nach „genug“ und stellt die Frage, ob das, wonach wir suchen, nicht schon immer in uns selbst lag.
Lagom ist ein schwedisches Wort und bedeutet "nicht zu viel, nicht zu wenig, genau richtig".
Zwei Menschen wachen auf und bereiten sich auf ihren Tag vor. Was wie eine einfache Morgenroutine beginnt, offenbart langsam etwas Beunruhigendes: Sie machen sich nicht nur fertig - sie proben sich selbst.
Als sie sich treffen, versuchen sie, eine Verbindung herzustellen. Aber wie kann man einen echten Moment teilen, wenn man beide auftreten? Dieses Duett erforscht die erschöpfende Kluft zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir denken, dass wir sein müssen. Es fragt: Was ist, wenn das, wonach wir suchen, schon immer in uns war?
Lagom richtet sich an alle, die schon einmal das Gefühl hatten, "genug" sein zu müssen.
Cheng‑Yang Peng ist freischaffender Choreograf mit Wohnsitz in Deutschland und Absolvent der Folkwang Universität der Künste. Er arbeitete mit dem Aalto Ballett Essen und dem Theater Hagen und trat bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Sommerspiele 2024 in Paris auf. Beeinflusst von Alexander Ekman, Pina Bausch und Marco Goecke verbindet seine filmische choreografische Sprache Präzision, dynamische Körperlichkeit und eine spielerische Energie. Seit 2025 konzentriert er sich auf seine eigenen unabhängigen Kreationen: Das Duett Skepticist wurde bei Maschinenhaus Essen im Rahmen von Somebody@Maschinenhaus uraufgeführt, und das Solo Two Relationships präsentierte er beim Stuttgart International Solo Dance Theatre Festival, wo das Werk mit einem Choreography Award ausgezeichnet wurde.

Choreografie | Cheng-Yang Peng
Tanz | Feng-Ti Yang, Pier Paolo Lara
Musik | Marco Girardin, Die Musik wurde eigens für diese Choreografie in Auftrag gegeben und komponiert.
Bühnenbild | Xzavier Tang
Projektassistenz | Ke-Chieh Liu
Fotos | Ke-Chieh Liu
Dauer | 30 Minuten
Alter | ab 16
Förderer | Gefördert durch | Kulturamt Essen
Besonderer Dank gilt | B:STUDIO
Signatures / Claudia Küppers & Antonia Koluiartseva

Claudia Küppers und Antonia Koluiartseva forschen zum Tanz als „Schrift im Raum“. Ausgehend von Mustern, Patterns, Schriftarten und deren graphischer Darstellung entsteht mittels Improvisation eine fein-poetische und dennoch expressive persönliche Signatur, eine körperliche Signatur im Raum, eine Tanz-Schrift.
Claudia Küppers und Antonia Koluiartseva forschen zum Tanz als „Schrift im Raum“. Ausgehend von Mustern, Patterns, Schriftarten und deren graphischer Darstellung entsteht mittels Improvisation eine fein-poetische und dennoch expressive persönliche Signatur, eine körperliche Signatur im Raum, eine Tanz-Schrift. Die tänzerische Signatur von Antonia Koluiartseva folgt ihrer musikalischen Intuition und ist in ihrem Ausdruck zugleich zutiefst sensitiv und spielerisch. Die Musik folgt dem Tanz als abstraktes Narrativ, das Anlass, Kontrast und Inspirationsquelle zugleich ist, sich mal antizipativ, mal abwartend, mal illustrativ zum Tanz verhält. Dies mündet in einem Tanz-Solo, das oszilliert zwischen dem ästhetischen Ausdruck des Tanzes, der Musik und des Raumes.
Claudia Küppers ist Choreographin, Dramaturgin und Produzentin für zeitgenössischen Tanz und Tanztheater. Ihre künstlerischen Wurzeln hat sie im Studium der Angewandten Theaterwissenschaften an der Universität Gießen. In ihren Choreographien und Produktionen verbinden sich die Bearbeitung gesellschaftlich relevanter Themen mit der Recherche eines innovativen Bewegungsvokabulars, geleitet von dem persönlichen Ausdruck und der tänzerischen Signatur der beteiligten Tänzer:innen.
Antonia Koluiartseva ist Tänzerin und Choreografin. Die gebürtige Russin lebt heute in Wuppertal. Ihre Ausbildung in Ballett und Zeitgenössischem Tanz absolvierte sie am Tanzcentrum Prag und an der Universität Tallinn. Über ein Jahrzehnt war sie in Russland und Europa tätig, unter anderem als festes Mitglied des St. Petersburger „OKNO-Tanzprojekts“ und später beim Aura Dance Theatre in Litauen. Nach ersten eigenen Produktionen in Estland und Russland folgte ein Masterstudium in Choreografie an der Folkwang Universität der Künste (2018-2021). Ihre Arbeiten waren auf zahlreichen internationalen Festivals zu sehen. Derzeit lebt und arbeitet Antonia in Deutschland, wo sie 2022 und 2024 Stücke für das FTS kreierte.
Sonntag, 26. April, ab 18:30 Uhr
Dance, Dinner & Talk mit Claudia Küppers & Antonia Koluiartseva / Ying Xiao / Tabea Jung & der IG Tanz
Ein Abend der Raum schafft für Austausch und Begegnung
Idee & Choreografie | Claudia Küppers
Tanz & Choreographie | Antonia Koluiartseva
Musik | 1 Henry Purcell: A Ground in Gamut, 2 Henry Purcell: Chaconne in G minor, 3 Henry Purcell: Suite in A minor / Saraband, 4 Jean-Philippe Rameau: Suite in G major / Les Sauvages
Projektassistenz |
Fotos | Landscape Manuel Meza / Portrait Alexandra Rumyantseva
Dauer | 15min
Förderer | Das Solo wird gefördert von MoveArts e.V. und der Freien Szene Düsseldorf / Performing Arts e.V.
Silent Etchings – Unwritten / Ying Xiao

Das Tanzstück „Stumme Radierungen – Unbeschrieben“ untersucht den weiblichen Körper als Archiv historischer Traumata und des Schweigens. Durch die Verbindung von zeitgenössischem Tanz und traditionellen chinesischen Elementen wird die unsichtbare Geschichte der „Trostfrauen“ physisch erfahrbar gemacht.
In „Stumme Radierungen – Unbeschrieben“ begibt sich der Performer auf eine körperliche Spurensuche. Das Projekt thematisiert die Geschichte der sogenannten „Trostfrauen“ und fragt nach der Einschreibung von Gewalt in den Körper. Hierbei verschmelzen die tiefe, kontrollierte Atmung des koreanischen Tanzes(Diese Gemeinschaft lebt vor allem im nordöstlichen China (insbesondere Yanbian) sowie auf der koreanischen Halbinsel (Nord- und Südkorea) und die rhythmische Kraft des Wa-Tanzes mit zeitgenössischer Choreografie. Das Stück bricht mit linearen Erzählweisen und schafft einen Raum der kollektiven Erinnerung, in dem das Publikum eingeladen ist, eine eigene Beobachterposition einzunehmen. Es ist eine Auseinandersetzung mit der Zerbrechlichkeit und Stärke von Frauen in Kriegszeiten und stellt die dringende Frage: Wie können wir heute aktiv den Frieden bewahren? In einer Zeit globaler Eskalationen wird der Körper zum Ort des Widerstands gegen das Vergessen.
Ying Xiao ist ein in Essen und China ansässiger Choreograf und Kurator. Nach seinem Studium an der Minzu University of China absolvierte er 2021 seinen Master in Tanzkomposition an der Folkwang Universität der Künste. Seine künstlerische Sprache vereint zeitgenössischen Tanz mit chinesischem klassischem und Volkstanz sowie Tai-Chi-Praktiken. 2025 wurde er zum Kultur- und Tourismusbotschafter der Stadt Lanxi ernannt. Er fokussiert sich auf interkulturelle Projekte und die Erforschung körperlicher Archive.
Choreografie | Ying Xiao
Tanz | Shuang Liang
Musik | Sin
Film | Guo Ke
Fotos | Karl
Dauer | 12min
Alter | ab 16
Unterstützung | TanzFaktur Köln (Residenz) / Stadtbibliothek Essen / Chinese „Comfort Woman“ History Museum (Dokumentarmaterial)
Project G2 or Post Traumatic Femtasy / Tabea Jung
„Project G2 oder Post Traumatic Fantasy“ ist ein intimes Duett, choreografiert von Tabea Jung, das untersucht, wie weibliches Begehren nach Jahrhunderten der Unterdrückung neu gedacht werden kann. Stark, sinnlich, verletzlich und suchend setzt sich Project G2 mit weiblicher Lust im Spannungsfeld von patriarchalen Einflüssen, Scham und pornografischen Narrativen auseinander.
„Project G2 oder Post Traumatic Fantasy“ ist ein intimes Duett, choreografiert von Tabea Jung. Es erforscht, wie weibliches Begehren nach Jahrhunderten der Unterdrückung sichtbar gemacht und neu gedacht werden kann. Der Körper wird spürbar zum Träger von Geschichte und zu einem Ort des Widerstands. Das Duett untersucht, wie man sich die eigene Lust, Fantasien und Begierden jenseits gesellschaftlicher Prägungen zurückerobern kann.
Traditionelle Geschlechterrollen schreiben Männern eine aktive Sexualität zu, während Frauen eine passive, kontrollierte Sexualität zugewiesen wird. Weibliches Begehren wird oft ignoriert, beschämt oder in stereotype Bilder gezwängt. Diese Bilder sind tief verwurzelt in Religion, Medizin (z. B. die „hysterische Frau“), Kunst sowie in der Darstellung von Sexualität in Film und Pornografie.
Wie kann ich wissen, was ich wirklich will, wenn ich nie danach gefragt wurde? Wie kann ich meine eigene Fantasie entdecken und ihr vertrauen? Was bedeutet es, über Lust jenseits von Scham, Kontrolle und dem männlichen Blick zu denken und zu tanzen?

Tabea Jung ist eine in Essen ansässige Choreografin.
Neben und innerhalb des Tanzes arbeitet sie mit Mode, Musik und Video und setzt sich mit politischen sowie feministischen Themen auseinander.
Ihr Duett „Project G2“ feierte kürzlich Premiere im Tanzhaus NRW in Düsseldorf. „Yuni“, eine Ko-Kreation mit Shauna Fischer, wurde beim Schrittmacherfestival 2025 in Aachen gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Label SVEASØN entwickelte und konzipierte Tabea die Show „MØLYBDØMANCY“, die für ihr Konzept ausgezeichnet wurde und bei der Berlin Fashion Week Premiere feierte.
Choreografie / Konzept | Tabea Jung
Tanz | Shauna Fischer, Merel Bastiaans
Musik | Béla Baumann
Kostüm | Hannah Creak
Fotos | Lennart Pimpl
Dauer | 20 min
Förderer | unterstützt von Tanzhaus NRW

URSPRUNG | Origin / Ying Xiao
„Ursprung“ ist eine choreografische Begegnung zwischen chinesischem klassischem Tanz und zeitgenössischem Tanz. Ausgehend von Punkt, Linie und Fläche untersucht das Stück den Anfang des Menschen und die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft. Es stellt eine grundlegende Frage: Wer bin ich, wenn ich zum Ausgangspunkt zurückkehre?
Ying Xiao ist ein in Essen und China ansässiger Choreograf und Kurator. Nach seinem Studium an der Minzu University of China absolvierte er 2021 seinen Master in Tanzkomposition an der Folkwang Universität der Künste. Seine künstlerische Sprache vereint zeitgenössischen Tanz mit chinesischem klassischem und Volkstanz sowie Tai-Chi-Praktiken. 2025 wurde er zum Kultur- und Tourismusbotschafter der Stadt Lanxi ernannt. Er fokussiert sich auf interkulturelle Projekte und die Erforschung körperlicher Archive.
Choreografie, Konzept, Kostüm | Ying Xiao
Tanz | Matilde Bottigelli / Ying Xiao
Assistenz | Shuang Liang
Musik | ”Uni Rec” Alva Noto
Foto | Juli Wang
Dauer | 7min
Musik | Uni Rec”Alva Noto
Freitag, 1. Mai, 20:00 Uhr
THERE | WHERE / KOLLEKTIV ELEVEN

THERE | WHERE setzt die Trilogie über den Limbus fort – einen Zustand der Ungewissheit zwischen Stillstand und Entscheidung. Zwischen Sein und Werden, Passivität und Widerstand stellt die Tanztheaterproduktion eine zentrale Frage: Wohin führt der nächste Schritt?
In THERE | WHERE setzen wir unsere Trilogie über den Limbus fort – einen Zwischenraum der Ungewissheit, geprägt von Schwebezuständen und existenziellen Entscheidungen. Inspiriert von La sociedad de la nieve reflektieren wir das Verharren an einem unwirtlichen Ort, an dem Leben, Hoffnung und Moral in fragiler Balance stehen. Diese abendfüllende Tanztheater-Performance untersucht den Raum zwischen Sein und Werden, zwischen Passivität und Widerstand – einem Ort, an dem Zeit und Richtung verschwimmen. So möchten wir eine Reflexion unserer kollektiven Realität eröffnen, in der Ungewissheit, Verlust und Entscheidung als Teil des menschlichen Daseins erfahrbar werden. THERE | WHERE lädt das Publikum dazu ein, diese Grenzerfahrung zu betreten und sich zu fragen: Wohin führt der nächste Schritt?
KOLLEKTIV | ELEVEN vereint Künstler*innen aus Tanz, Musik, Dramaturgie und Lichtdesign und hat seinen Sitz im Ruhrgebiet und im Bergischen Land. Lara Pilloni, Julia Monschau, Frederico Mendes Teixeira, Álvaro Severino und Julio Ernesto Escobar Mellado entwickeln gemeinsam interdisziplinäre Arbeiten, in denen Bewegung, Klang und Raum aufeinandertreffen. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe prägen den kollaborativen künstlerischen Prozess.
Tanz, Choreografie, Konzept | Lara Pilloni, Julia Monschau
Musik | Álvaro Severino,
Dramaturgie, Projektassistenz | Frederico Mendes Teixeira
Lichtdesign | Julio Ernesto Escobar Mellado
Text | Nefeli Papanastasopoulou
Fotos | Lara Pilloni
Dauer | 45 Minuten
Gefördert durch | Kulturamt Essen | Bergischer Kulturfonds
in Zusammenarbeit mit Insel e.V. Wuppertal | IG Tanz Essen | .dott – Dortmunder Tanz- und Theaterszene
Samstag 02. Mai, ab 19.30
Nene Okada, Jennie Boultbee, Valentina Restrepo Giraldo & Maria Savva

„Miss Perfect“ ist ein Tanztheaterstück, das auf humorvolle und kritische Weise die unbewussten gesellschaftlichen Zwänge untersucht, denen Frauen ausgesetzt sind, sowie das Ideal der „perfekten Frau“ in Frage stellt, welches durch soziale Medien und Werbung konstruiert wird. In einer Welt des ständigen Vergleichs und der sichtbaren Bewertung hinterfragt es, wie verinnerlichte Maßstäbe für Erfolg und Glück, die durch unsichtbare Normen geprägt sind, Menschen aller Geschlechter in ihrer Identität und Selbstentfaltung beeinflussen.
Miss Perfect ist ein Tanztheaterstück, das auf humorvolle und kritische Weise den unbewussten sozialen Druck, der auf Frauen in der heutigen Gesellschaft lastet, sowie das durch soziale Medien und Werbung konstruierte Ideal der "perfekten Frau" darstellt. In einer Welt, die von Informationen und öffentlich sichtbaren Bewertungen überquillt, verinnerlichen wir unbewusst Standards für Erfolg und Glück. Durch das extreme Streben der Protagonistin nach Perfektion stellt das Stück die Frage, wie unsichtbare Normen und der Druck zur Konformität nicht nur Frauen, sondern Menschen aller Geschlechter in ihrem Selbstausdruck und ihrer Lebensweise beeinflussen. Das Stück lädt das Publikum dazu ein, über die unbewussten gesellschaftlichen Kräfte nachzudenken, die unsere Identität formen.
Tanz, Choreografie, Text | Nene Okada
Musik, Tonaufnahme | Marco Girardin
Choreografische Unterstützung / Außenperspektive | Kati Masami Menze
Fotos | Silviu Guiman (Face photo) / Nene Okada (Work image photos)
Dauer | 15 Minuten
Förderung | Gefördert durch Stadt Essen Kulturamt
Nene Okada wurde in Japan geboren und ist Tänzerin und Choreografin. Sie begann im Alter von vier Jahren mit klassischem Ballett und machte ihren Abschluss an der Rambert School of Ballet and Contemporary Dance (BA, 2018) und der Folkwang Universität der Künste (MA in Tanzkomposition/Interpretation, 2022). Ihr Tanzfilm Gray wurde für das Roppongi Art Night Spin-off Project ausgewählt. Im Jahr 2023 wurde ihr Solo Cho-Cho San am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt. Sie tritt international auf und entwickelt gleichzeitig ihre eigenen choreografischen Arbeiten.
Miss Perfect / Nene Okada
The Place from Which / Jennie Boultbee
Forever is composed of now’s
Nor hesitate the days
The ones that went before are gone
And yesterdays today
Staying with the trouble -
resist the urge to loose
Resting
Waiting
- Undone
The end surrenders me
The last repeated several times
Nor lost till we forget
The resonance of breath,
- To yet
Forever is composed of now’s
the dark to see the light
becoming incoming in-becoming
written by Jennie Boultbee

„The Place from Which“ beginnt mit einem Interesse an dem, was gesehen wird, im Gegensatz zu dem, was nicht gesehen wird. Obwohl wir sehen und den Alltag beobachten, bieten uns unsere Städte und Umgebungen einen Rahmen, durch den wir Dinge betrachten können. Wie kann dieses architektonische Bild von uns selbst gerahmt und im Selbst und in unseren Beziehungen wahrgenommen werden? „Die Haut ist es, die resoniert, die uns anzieht, doch es ist das, was unter der Haut liegt, das die Oberfläche attraktiv und geheimnisvoll macht … Es ist der Raum hinter den Worten, der der Oberfläche eine Resonanz gibt, die sie wichtig macht.“ — Robert Wilson . „The Place from Which“ baut auf einer physischen Praxis auf, die einen wörtlichen Ort bietet, von dem aus man beginnen kann und von dem aus alles andere entsteht. Komponiert mit einer Aufmerksamkeit für die Abwesenheit von Dingen und die Verspieltheit, die sich aus der Möglichkeit des Unbekannten ergibt. Was bleibt gesehen und ungesehen; Abwesenheit darf die Vorstellungskraft aktivieren und Bedeutung erweitern, statt sie zu verringern. Es entsteht eine Arbeit, die ihre eigene Konstruktion offenlegt: ein Dialog zwischen zwei Performer*innen, dem Selbst und dem Anderen.
Tanz, Choreografie, Video | Jennie Boultbee
Musik | Fabian Neubauer
Fotos | Esther Murdock
Dauer | 30 Minuten
Jennie Boultbee (geb. 1994, London, England) ist Tänzerin mit Sitz in Essen. Sie schloss 2019 ihren B.A. in Zeitgenössischem Tanz am Trinity Laban Conservatoire ab und 2021 ihren M.A. in Tanzinterpretation an der Folkwang UdK, wobei sie im selben Jahr den Josef-und-Else-Classen-Preis erhielt. Von 2021 bis 2025 war sie Tänzerin im Folkwang Tanzstudio. Jennie arbeitet in verschiedenen interdisziplinären Kollektiven und Ensembles, darunter das PART Ensemble, das Masshysteria Collective, das Collective Ø mit Narumi Saso sowie das Projekt „Nonsense about Happy Days“ mit Sara Koluchova.
MY ASS IS MY WEAPON / Valentina Restrepo Giraldo & Maria Savva
MY ASS IS MY WEAPON ist eine Reise des Widerstands, der Freude und der Selbstermächtigung, in der Hüften und Rhythmus als Werkzeuge von Handlungsmacht und Widerstand erforscht werden.
MY ASS IS MY WEAPON erforscht, wie hüftzentrierte Tänze – Perreo, Reggaeton, Twerking und Bauchtanz – als Akte von Freude, Stärke und Widerstand zurückerobert werden können. Bewegung wird zu einer Sprache der Feier, in der Lust und Kraft nebeneinander bestehen. Die Performance untersucht, wie diese Tänze, die besonders dann sexualisiert oder stigmatisiert werden, wenn sie von weiblich gelesenen Körpern ausgeführt werden, in Werkzeuge der Selbstermächtigung verwandelt werden können – als Strategien, um verinnerlichte Scham abzubauen und patriarchale sowie koloniale Strukturen herauszufordern. Das Projekt bringt Maria Savva mit Wurzeln im Nahen Osten und Valentina Restrepo Giraldo mit lateinamerikanischen Wurzeln zusammen, in Zusammenarbeit mit einer Klangkünstlerin / einem Sound-Maker. Gemeinsam verfolgen sie, wie sich diese Tänze durch den Alltag bewegen – bei Hochzeiten, kulturellen Feiern und Partys – und richten den Fokus darauf, wie Hüften Lust, Stärke und Emotionen tragen. MY ASS IS MY WEAPON ist eine Reise des Widerstands, der Freude und der Selbstermächtigung, in der Hüften und Rhythmus als Werkzeuge von Handlungsmacht und Widerstand erforscht werden.

Konzept, Choreografie & Darstellerinnen | Valentina Restrepo Giraldo & Maria Savva
Musik | Live-Auftritt: BABY.LONIAX
Fotos | Lou Gabriel @lougabr
Dauer | 30 Minuten
Förderung | Gefördert durch die Stadt Essen Kulturamt
Maria Savva (she/they) ist eine queere zypriotische Performance-Künstlerin, Tänzerin und Choreografin, die in Essen, Deutschland, lebt. Die Absolventin der Folkwang Universität (B.A. Tanz, M.A. Tanzkomposition) beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Queerness, Absurdität, Folklore und soziopolitischen Themen. Zu ihren Projekten gehören SHUT UP AND SWIM, Foyer, Freibad oder Shut up and Swim, und folkLOL. Sie ist mit verschiedenen internationalen Künstler*innen aufgetreten und hat zusammen mit Brunella Sabatino das Performance-Kollektiv Liquid Centre gegründet.
Valentina Restrepo Giraldo (sie/er) ist eine kolumbianische freischaffende Tänzerin mit Sitz in Essen, Deutschland. Sie machte 2021 ihren Abschluss in modernem und zeitgenössischem Tanz an der Folkwang Universität der Künste. In ihrer Arbeit und Forschung erforscht sie Themen wie Identität, Ausdauer, menschliche Verbindung und Transformation. Ihr Ziel ist es, sowohl technische Exzellenz als auch konzeptionelle Tiefe widerzuspiegeln und den Tanz als kraftvolle Sprache des Ausdrucks und des Widerstands zu nutzen.
Shams Kassab (BABY.LONIAX) ist multimedial Performing Artist mit Schwerpunkt auf postdramatischen Formaten und (Tanz-)Performance. Geboren in Aleppo, Syrien, führten sie ihre Wege über Istanbul ins Ruhrgebiet – biografische Stationen und Straßen, die ihre künstlerische Praxis ebenso prägen wie ihr politisches Engagement. Geleitet von den Erfahrungen gesellschaftlicher Brüche und Transformationen, arbeitet Shams auch als Sozialarbeiter:in an Fragen sozialer Teilhabe und struktureller Gerechtigkeit.
Dasein / Echo Tái
„Dasein“ ist eine installative Performance von Ching-Mei Huang und I-Chu Lin, die sich mit der Beziehung zwischen Körper, Material und Zeit auseinandersetzt. Transparente Wasserbeutel, herabfallende Tropfen und choreografische Improvisation hinterlassen sichtbare Spuren im Raum und auf Papier und schaffen so einen poetischen Dialog zwischen Bewegung und Objekt.
Nichts scheint festzustehen; Bewegung lässt Zeit sichtbar werden. Objekte mit farbigem Wasser hängen in unterschiedlichen Höhen im Raum. Nach und nach beginnen Tropfen das Papier unter ihnen zu markieren. Eine Tänzerin bewegt sich zwischen den schwingenden Formen. Ein Dialog zwischen Körper, Material und Schwerkraft entsteht. Dabei entfaltet sich Zeit als langsamer Prozess der Veränderung.
Tropfen, Spuren und Bewegungen verdichten sich zu Bildern. Ohne lineare Erzählung entsteht ein Raum des Wahrnehmens.
Ruhe und Bewegung stehen in einem fragilen Gleichgewicht.
Erinnerung erscheint als Spur im Material.
Augen folgen dem Wandel der Oberfläche.
Dauer wird als Schichtung von Momenten erfahrbar.
Jede Bewegung verschiebt die Ordnung des Raumes. Unmerklich verändert sich die Atmosphäre. Spuren wachsen zu einem stillen Protokoll der Zeit. Tanz verbindet Körper, Objekt und Bild.
Wasser zeichnet flüchtige Linien auf das Papier.
Am Ende bleibt eine verdichtete Landschaft aus Spuren.
Trotz der Stille wirkt der Prozess weiter.
Chorische Bewegungen des Materials bleiben im Raum.
Hier genügt es zu schauen.

Konzept | Echo Tái
Tanz | Ching-Mei Huang
Bühnenbild | I-Chu Lin
Sounddesign | Nina Koncic / goodweib
Fotos | Karl-F.Degenhardt & Anastassiya Ponomaryova
Dauer | 30 Minuten
Förderung | Gefördert durch Stadt Essen Kulturamt
Sonntag, 03. Mai ab 18.30
Echo Tái & Aline Braun
Echo Tái (Echo台) ist ein deutsch-taiwanisches Künstlerduo von Ching-Mei Huang und I-Chu Lin. Ausgehend von ihren Hintergründen in Tanz und Szenografie entwickeln sie interdisziplinäre Arbeiten zwischen Performance, Raum und visueller Gestaltung.
SMELL / Aline Braun

Du siehst.
Du hörst.
Du schmeckst.
Ja, du siehst das Stück. Du hörst die Musik. Du probierst die Getränke bei der Premiere.
Aber riechst du auch?
SMELL ist ein zweiteiliges zeitgenössisches Tanzstück, das die oft übersehene Kraft des Geruchssinns in den Mittelpunkt stellt. In einer pop-inspirierten Ästhetik erforschen zwei Tänzerinnen die Gegensätze von Verführung und Abstoßung sowie die Verbindung von Duft, Erinnerung und gesellschaftlicher Verdrängung.
In der Welt des Theaters verlassen wir uns fast ausschließlich auf Sehen und Hören und lassen einige unserer stärksten Sinne ungenutzt. Der Geruchssinn, der am engsten mit Erinnerungen und Emotionen verknüpft ist, fehlt auf der Bühne, obwohl er die Macht hat, das Publikum mehr in eine Welt hineinzuziehen als jedes Bühnenbild oder jede Partitur. Der Geruchssinn weckt Assoziationen, schafft Atmosphäre und regt die Vorstellungskraft und das Nachdenken auf eine Weise an, wie es Worte und Bilder allein oft nicht können. SMELL ist ein zweiteiliges zeitgenössisches Tanzstück, das die Dualität des Duftes erforscht, seine Macht, zu verführen, und seine Fähigkeit, abzustoßen. In einer farbenfrohen und von der Popmusik inspirierten Ästhetik bewegen sich zwei Frauen im Spannungsfeld zwischen Duft und Schmutz, zwischen dem, was in der Erinnerung bleibt, und dem, was die Gesellschaft lieber vergessen möchte.
Konzept und Choreografie | Aline Braun
Tanz und Mitgestaltung | Tullia Francischiello, Mariane Verbecq
Gefördert durch | Stadt Essen Kulturamt
Lichtdesign, Fotos und Videos | Arnaud Dubois
Dauer | 45 Minuten
Förderer | Stadt Essen Kulturamt
Aline Braun, Mariane Verbecq, Tullia Francischiello und Arnaud Dubois lernten sich während ihres Studiums an der Folkwang Universität der Künste kennen. Im Laufe der Zeit haben sie bei zahlreichen Projekten zusammengearbeitet und sich mit Tanz, Choreografie, Fotografie und Licht in verschiedenen Bereichen auseinandergesetzt. Für SMELL haben sie ihre Fähigkeiten und ihre Freundschaft zusammengebracht, um eine einzigartige Duftlandschaft zu schaffen. Willkommen in unserer parfümierten Welt!